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Kurpark Bad Nenndorf

Let’s gogo!

 

Kurztrip Nr. 1!
Die Nase läuft momentan einen Marathon und der Husten hustet. So entscheide ich mich für ein nahegelegenes Ziel: Bad Nenndorf!
Was es da gibt? Einen Kurpark mit Süntelbuchenallee. Genau das richtige, um eine gefährliche Männergrippe abzuwehren!

Mein heutiges Reiseinventar: Eine Flasche Wasser, meine Kamera und meine Gitarre.
Die Fahrt vom Haptbahnhof in Hannover dauert ca. 40 Minuten. Der einzige, der in Bad Nenndorf aussteigt, bin ich – ein böses Omen?

Es ist 11:20 Uhr. Nun wäre es mir natürlich ein Leichtes, das Handy zu zücken und zu schauen, wie ich den Kurpark am schnellsten erreiche. Jedoch bin ich ein verrückter, abenteuerlustiger Mensch und entscheide mich einfach drauf los zu gehen. 35 Hektar Park werde ich schon finden.
Das erste menschliche Wesen, das mir in Bad Nenndorf über den Weg läuft, ist ein ca. 13 jähriger Junge. Ich gehe an ihm vorbei, er grüßt, ich nicht. Dafür war ich zu verdutzt. Dann erinnere ich mich: ich bin jetzt im Dorf und hier ist man anscheinend noch freundlich zueinander. Die nächste Frau, die ich sehe, lächele ich an und ich bereite mich auf ein „Hallo“ vor, aber es kommt keines. Bad Nenndorf ist inkonsequent! Bestimmt so ’ne Zugezogene!

Ansonsten wirkt Bad Nenndorf eigentlich, wie ein klassisches Dorf. Viele Einfamilienhäuser, Bäume und Straße.

Nur flach ist es nicht. Ich gehe die meiste Zeit bergauf. Naja, eher hügelauf.

Nach kurzer Weile des Spazierens entdecke ich ein Schild, dass mir die Richtung des Kurparks zeigt. Natürlich bin ich in die falsche Richtung gelaufen.

Also wieder zurück!

Bei der nächsten Kreuzung sagt mir das Schild, ich solle rechts abbiegen. Ich zweifle die Autorität des Schildes an und gehe geradeaus, das sieht mir nämlich stark nach dem richtigen Weg in den Kurpark aus. Spoilerwarnung: Ist es nicht.

So stolpere ich also an ca. 200 Hotels vorbei und frage mich, ob dieser Ort auch Einwohner hat oder ob alles nur Gäste sind. Der Magen knurrt und meine Augen verwandeln sich in Suchscheinwerfer und machen Jagd auf ein Etablisment, in dem ich Frühmittagsstücken kann. Kurz vor dem Park finde ich ein kleines Café. Eigentlich eher eine Konditorei. Gerne würde ich herzhaft speisen, aber die Auswahl beschränkt sich auf Süßes.

Mittlerweile bin ich nach kleiner Detour dann auch im Kurpark angekommen, wo ich das erworbene Gebäck direkt verputze.

 

Die Trendfarbe ist weiß

Auf einer Bank sitzend und Kuchen mampfend fällt mir dann auch auf, dass es nicht nur mehr Bänke, als Menschen gibt, sondern dass die Frisur, die hier gerade besonders ‚In‘ zu sein scheint, kurz, gelockt und weiß ist. Kurz peinlich berührt über meinen eigenen faux pas, bemerke ich jedoch schnell erleichternd, dass ich ja eine Mütze auf dem Kopf habe und somit undercover unterwegs bin! Ein anderes Trendaccessoire ist ein Kinderwagen.

Nachdem mein Frühmittagsstück seinen Weg per Expressverfahren in meinen Magen gefunden hat, schultere ich die Gitarre und mache mich wieder auf den Weg. Ich finde ein Schild, das behauptet, den Weg zur Süntelbuchenallee zu kennen. „I trust you this time“, denke ich und folge der Richtung, die mir das Schild weist.

Mehr Schilder!

Invasion der Schilder

Links und rechts vom Weg wurde eine Vielzahl Blumen gepflanzt und eine Bande von Schmetterlingen tanzt von einer Blüte zur nächsten. Dank meinen geheimen Schmetterlingsgooglefähigkeiten, erfahre ich, dass es sich hierbei um akurat als „Weißling“ betitelte Insekten handelt. Irgendjemand kam auf die Idee, diesen doch recht idyllischen Weg mit Schildern regelrecht vollzukleistern. Diese zeigen die Süntelbuchenallee zu verschiedenen Jahreszeiten. Sicherlich schöne Bilder, aber irgendwie wirkt es ‚out of place‘ und ruiniert sämtliche verbleibende Naturimmersion, die ohnehin schon schwer aufrecht zu erhalten ist, in einem durchstrukturierten Park mit 12000 Parkbänken (grobe Schätzung meinerseits).

Am Ende dieses Weges befindet sich, fast schon unscheinbar, der Eingang in die Süntelbuchenallee.

Metterschling!

Gitarrenklimbim und Süntelbuchen

Die Süntelbuchen sehen schon ziemlich abgefahren aus. Ein Haufen chaotischer Bäume, von denen keiner genau weiß, wohin er jetzt genau wachsen soll. Also wachsen sie einfach in alle Richtungen.

Hier treffe ich kurz eine Mutter mit ihrer Tochter, danach niemanden mehr. Die Werbetrommel auf dem vorigen Weg scheint sich kaum gelohnt zu haben.

All zu weit führt der Weg jedoch auch nicht in die Allee. Dafür, dass es, zumindest im Internet, als Aushängeschild des Parks zelebriert wird, ist tatsächlich doch nur sehr wenig Süntelbuchenallee vorzufinden. Chipstütenfeeling. Am Ende der Allee, setze ich mich auf einen der wirren Bäume und klimpere auf der Gitarre herum. Nach ca. 15 Minuten mache ich mich wieder auf den Weg.

Süntelbüchlein

Der schönere Park

Ich lasse die Süntelbuchenalle hinter mir und finde einen Weg in den Wald (ein Teil des Deisters).

Ob der Teil des Waldes noch zum Park gehört, weiß ich nicht, aber es gefällt mir dort direkt besser, als im Park. Kein asphaltierter Weg, keine Schilder, keine Rolatoren, dafür viele Bäume und Natur.

So lasse ich mich einfach treiben und begegne einer Joggerin, die mich, trotz rotem Gesicht und Schweißperlen auf der Stirn, freundlich begrüßt (sie hat das Konzept verstanden). Nach einer Weile des ziellosen Umherstreifens, gelange ich wieder aus dem Wald heraus. Ich bin wieder im Park.

Frankenweg

Als Kind gefielen mir Hosen, die Flicken auf den Knien hatten, egal ob die Hose kaputt war oder nicht. Das war der Style den ich lebte. Der Weg über den ich gehe, konkurriert ganz stark mit meinem Kindheits-Ich und seinen Hosen. Er wirkt so zusammengeflickt, als hätte sich Dr. Frankenstein seiner angenommen, es fehlt nur noch ein Blitz, der ihm Leben einhaucht. Ich lasse Frankensteins Weg hinter mir und komme wieder da an, wo ich meine trockenen Süßspeisen wegschnabuliert habe.

 

 

 

 

Heimweg

Auf dem Weg zurück passiert nicht mehr viel Spannendes. Die Skulptur einer Frau und einer bockenden Ziege (höhöhö) ist mir noch ein letztes Foto wert. Auf dem Rückweg verlaufe ich mich nicht. Ist auch kaum möglich, die Straße, die zum Bahnhof führt, trägt den passenden Namen „Bahnhofsstraße“.

Alles in Allem, war es ein schöner Ausflug, um der Entsumpfung in der Wohnung zu entgehen. Gelernt habe ich dabei jedoch, dass ich es im Wald doch noch um einiges schöner finde, als in einem von Menschen angelegten Park. Eine wichtige Erkenntnis!

Mal sehen, wohin es mich als nächstes verschlägt!

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